Maria Bründl



 

Von der Heilig-Blut-Kirche führt der Weg stadtauswärts zur Bundesstrasse nach Geisenhausen. Wir überqueren sie, folgen dem Brünnlweg und kommen zur barocken Wallfahrtskirche Maria Brünnl.

Hier fand am 30. September 1661 der Landshuter Riemer Thomas Amplatz eine Quelle. Vier Wochen später stellte er eine Kreuzsäule auf, an der er ein Abbild des Gnadenbildes von Maria Hilf von Passau befestigte. Über der Kreuzsäule entstand eine Kapelle aus Holz, 1666 eine solche aus Stein. Im Jahr 1719 ließ der Pfarrvikar von Heilg Blut Georg Christop Pexenfelder die heutige Kirche erbauen; 1720 wurde sie geweiht. Schon damals, 60 Jahre nach dem Entstehen der Wallfahrt, waren einige Legenden über Wunderheilungen an die Stelle der verlorenen Kenntnis über den Ursprung der Wallfahrt getreten.


Noch waren seit Entdeckung des neuen Brunnens und der Aufstellung der Kreuzsäule keine zwei Jahre verstrichen, da kam Kurfürst Ferdinand Maria (1651 bis 1679) im April 1663 auf einer Wallfahrt nach Altötting mit seiner Familie durch Landshut und stattete dem „Brünnl“ einen Besuch ab. Der Gründer der Wallfahrt Thomas Amplatz traf die Vorbereitungen: Er zündete Kerzen an, breitete Teppiche aus und schmückte seine kleine Holzkapelle so gut er konnte. Vor allem sorgte er auch dafür, dass dieses Ereignis in Landshut nicht unbekannt blieb und dass sich eine größere Menge Volkes dazu einfand. Der Kurfürst und sein ganzes Gefolge tranken aus einem vergoldeten Becher Wasser vom Gnadenbrunnen und setzten nach verrichteter Andacht die Reise fort.


Die Ausstattung der Kirche zog sich über einen längeren Zeitraum hin. Der Hochaltar wurde 1726 aufgestellt; 1745 kam der Seitenaltar hinzu. Gefasst hat ihn der Maler Franz Georg Fischer. Vermutlich stammen von ihm auch das Altarblatt des Seitenaltars, das die Krönung Mariä darstellt, und die Deckengemälde. Georg Franz Fischer war in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein vielbeschäftigter Landshuter Maler. 1764 erhielt das Gnadenbild am Hochaltar, eine Kopie des Passauer Maria-Hilf-Bildes, den vergoldeten Kupferrahmen, der es heute noch ziert. 1793 finden wir den Bildhauer Christian Jorhan in der Brünnlkirche tätig.

1795 stellte der Schreinermeister Zimmermann gegenüber dem Seitenaltar die Kanzel auf. Schon vorher war die Kirche mit einer schönen Orgel, die sich ebenfalls mitsamt ihrem mechanischem Werk erhalten hat, ausgestattet worden.

1808 ließ der Pfarrer von Heilig Blut die vielen Votivtafeln und Weihegaben, die von den Wallfahrern gestiftet worden waren, als „allerhand alberne Sachen“ entfernen. Auch die barocken Wandmalereien ließ er übertünchen. Die drei Hauptgemälde im Gewölbescheitel wurden bei der Restaurierung der Kirche 1968 wieder freigelegt. Das mittlere zeigt das Maria mit dem Kind als Beschützerin der ihr zu Füßen liegenden Stadt Landshut. Die beiden anderen Gemälde sind auf die heilige Maria bezüglich allegorische Darstellungen.

Neben der Eingangstür hängt eine Votivtafel, die der Landshuter Kunstmaler Franz Högner nach dem letzten Krieg in die Kapelle gestiftet hat. Sie zeigt einen Angriff amerikanischer Bombenflugzeuge auf Landshut mit einer Inschrift, die den 1945 ums Leben gekommenen Landshutern gewidmet ist.


Gekürzter Auszug aus „ Landshut die altbayerische Residenzstadt. Historischer Stadtführer“ von Hans Bleibrunner